Interview zum 3. Advent

 

 

Hier bei ´La Cantina` fühle ich mich verstanden. Es ein schönes Arbeiten hier. Im Februar habe ich angefangen, aber nach kurzer Zeit ging es mir nicht so gut. Vier Monate war ich in Behandlung, dann ging es hier wieder los.

In Altona gibt es viele Menschen, die haben nicht so viel. Für die ist ´La Cantina` wichtig. Natürlich weil das Essen hier günstig ist, aber auch weil man mit Anderen in Kontakt kommt und sich hier verabredet. Wenn ich Rentner sehe, die vierzig Jahre gearbeitet haben und dann die Groschen fürs Essen zusammenzählen müssen - das tut mir schon leid. Ab 16.00 Uhr kommen die Obdachlosen. Die haben ja nun gar nichts, aber 50 Cent für ein Essen, das bekommt jeder hin. Gutes, frisches Essen. Ohne ´La Cantina` wüsste ich nicht wo die hingehen könnten. 

Kerstin, 55 Jahre

Hier fühle ich mich wohl und würde gerne noch ein Jahr länger bleiben. Ich denke, das klappt auch. Im Januar läuft mein Vertrag aus und dann wird verlängert. Mein Leben lang habe ich in der Gastronomie gearbeitet. In Kneipen aber, habe auch in Restaurants den Service gemacht. Das kriege ich mit 55 Jahren körperlich nicht mehr hin, aber Gastro ist mein Ding. Hier komme ich gerne her und deshalb will ich auch bleiben.

Ich bin ja hier in Ottensen viel unterwegs und kannte das hier. Daher bin ich zum Arbeitsamt gegangen und habe gesagt, da will ich arbeiten. Die kannten das hier gar nicht, also haben die sich schlau gemacht und ich habe einen Arbeitsvertrag unterschrieben.

Ich bin es gewohnt, dass ich alles alleine machen muss. Ich bin alleinerziehende Mutter von einer Tochter, die eine Behinderung hat. Sonst habe ich keine Familie. Jugendamt, Jobcenter oder andere Sachen. Meine Probleme löse ich selbst. Manchmal fühle ich mich ein wenig allein gelassen, aber dann denke ich mir: „Jammer nicht. Raff Dich auf. Von nix kommt nix.“

Hier bei ´La Cantina` fühle ich mich verstanden. Da wird einem zugehört. Wenn was ist, wird es ausgesprochen, diskutiert und dann ist auch gut. Hier kann man offen und ehrlich sagen, wenn einen etwas stört. Es ein schönes Arbeiten hier. Im Februar habe ich angefangen, aber nach ein paar Monaten ging es mir nicht so gut, war dann vier Monate in Behandlung. Als es mir wieder besser ging, habe ich dann wieder hier angefangen.

Ich bin ja nicht besonders groß, deshalb kann ich nicht an den großen Töpfen arbeiten. Ich sag immer: „Der liebe Gott lässt alles so lange wachsen bis es perfekt ist.“ Außer den großen Töpfen mache ich alles, was anfällt. Ich schäle Kartoffeln, mache Pudding oder putze auch mal. Man muss gucken was anfällt. Sich vor Aufgaben drücken geht nicht.

Gestern habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Apfelstrudel gemacht. Top, das hat super geklappt, war super lecker! Zehn Strudel, alle weg und kein Stück ist übriggeblieben. Ein Gast hat gleich drei Stücke bestellt. Das hat mir Spaß gemacht. Den mache ich jetzt auch mal zu Hause. Morgen habe ich frei aber ich komme trotzdem zum Essen, denn ich habe den Speiseplan gesehen. Morgen ist es wieder lecker. Jeden Tag haben wir zwei Essen. Ein vegetarisches und eins mit Fleisch.

Hier in Altona gibt es viele Menschen, die haben nicht so viel, daher ist ´La Cantina` wichtig. Natürlich weil das Essen hier günstig ist, aber auch weil man hier mit Anderen in Kontakt kommt. Zu uns kommen alleinerziehende Mütter, ältere Herren, Witwen, Alleinstehende, Jung und Alt. Die kommen hier unter Menschen, trinken einen Kaffee zusammen und verabreden sich. Ich habe schon das Gefühl, dass es hier eine besondere Atmosphäre gibt.

Hier wird man menschlich behandelt, nicht so von oben herab. Wenn ich Rentner sehe, die vierzig Jahre gearbeitet haben und dann hier die Groschen fürs Essen zusammenzählen müssen - das tut mir schon leid. Aber auch wenn ich viel Geld hätte, würde ich hier essen gehen. Es ist gemütlich und alle sind nett. Das Personal und Gäste.

Wenn es um 12.00 Uhr losgeht, kann es sein, dass auf einen Schlag 40 Leute Schlange stehen. Viele sind Stammgäste. Das geht dann bis 14.00 Uhr so. Und ab 16.00 Uhr kommen die Obdachlosen. 50 Cent kostet dann ein Essen. Die haben ja nun gar nichts, aber 50 Cent für ein Essen, das bekommt jeder hin. Gutes, frisches Essen. Ohne ´La Cantina` wüsste ich nicht wo die hingehen könnten. 
 

Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.

Bertolt Brecht,
Dreigroschenoper